
Ein Lager mit hohem Umschlag, stark wechselndem Sortiment und Zeitdruck effizient zu führen, erfordert nicht nur ein leistungsfähiges WMS, sondern auch eine durchdachte ERP-Integration. Die Einführung von XWMS bei Interpneu Polska zeigt, wie man ein einheitliches operatives Umfeld schafft, in dem Daten und Prozesse in Echtzeit funktionieren.
Die Herausforderung: komplexe Logistik und ein besonderes Produkt
Interpneu Polska betreibt ein Lager, das große Dimensionen mit hoher Prozesskomplexität verbindet. Es umfasst rund 2.500 Palettenstellplätze, Hochregale und klar getrennte Zonen – vom Wareneingang über die Kommissionierung bis zu Retouren und Reklamationen. Die zentrale Herausforderung ist die Besonderheit der Ware. Bei Reifen zählen nicht nur Artikelnummer oder EAN-Code, sondern auch die DOT-Nummer (Produktionsdatum), die über Lagerung und Rotation entscheidet. Das erfordert eine präzise Kontrolle der Abläufe und den Ausschluss von Fehlern bis auf die Ebene des einzelnen Ladungsträgers. Ziel der Einführung war es, die Prozesse zu ordnen, ihre Wiederholbarkeit zu erhöhen und die volle Kontrolle über die Bestände in vielen Dimensionen gleichzeitig zu gewinnen.
Die Perspektive des Projekts beschreibt Krzysztof Wieczorek, unabhängiger Experte und Projektmanager, der Interpneu bei Vorbereitung und Einführung begleitet hat:
„Als Berater, der Interpneu bei der Optimierung der Logistikprozesse unterstützte, habe ich zunächst zur Arbeitsorganisation im Lager beraten, aber auch zum Belegfluss und zur Prozessgestaltung auf Basis des ERP enova365. Steigende Umsätze, eine sich verändernde Auftragsstruktur und die Kosten der Einarbeitung neuer Mitarbeiter zeigten jedoch eindeutig, dass weiteres Wachstum ein eigenes Lagerverwaltungssystem erfordern würde. Die Suche nach einem WMS-Anbieter stützte sich im Wesentlichen auf zwei Kriterien: Erfahrung in der Reifenbranche und Erfahrung mit der Integration von enova365. EX7 erfüllte beide Bedingungen.“
– Krzysztof Wieczorek, unabhängiger Experte und Projektmanager.
XWMS als Zentrum der Lagerprozesse
XWMS umfasst alle zentralen Prozesse – vom Wareneingang über die Kommissionierung bis zum Versand und zur Retourenabwicklung – und gibt ihnen einen einheitlichen, prozessorientierten Ablauf. Der Wareneingang wurde zweistufig organisiert. Im ersten Schritt scannen die Lagermitarbeiter die Reifen und bilden Ladungsträger in Form von Gitterboxen oder Paletten, im zweiten bringen sie diese an die Ziel-Lagerplätze. Das System unterstützt die Mitarbeiter mit Vorschlägen für Lagerplätze und lässt ihnen gleichzeitig Entscheidungsspielraum – wichtig in einem dynamischen Lagerumfeld. Ein zentrales Element ist die Kontrolle der Warenmerkmale: XWMS behandelt die DOT-Nummer als kritisches Chargenmerkmal und verhindert automatisch, dass Reifen mit gleicher Artikelnummer, aber unterschiedlichem Produktionsdatum auf einem Ladungsträger gemischt werden.
„In solchen Lagern kommt es auf die Verbindung von Kontrolle und Flexibilität an. Das System muss kritische Parameter wie die DOT-Nummer überwachen, darf aber die Arbeit des Mitarbeiters nicht blockieren. Deshalb kombinieren wir in XWMS Prüfmechanismen mit Vorschlägen statt starrer Sperren. Großen Wert haben wir auch darauf gelegt, den Mitarbeiter durch den Prozess zu führen (beim Wareneingang wie bei der Kommissionierung), damit Entscheidungen nicht ‚im Kopf‘, sondern im System getroffen werden. Das bedeutet nicht nur weniger Fehler, sondern auch eine schnellere Einarbeitung und wiederholbarere Abläufe.“ – sagt Jakub Wajda, Vorstandsmitglied von EX7 und Koordinator der XWMS-Einführung bei Interpneu.
Das System unterstützt außerdem Cross-Docking, wodurch bei einem Teil des Sortiments (vor allem bei Waren, die für konkrete Aufträge bestellt werden) die Einlagerung entfallen kann. Die Ware gelangt direkt in die Packzone, was die Durchlaufzeit deutlich verkürzt und die Zahl der Lagervorgänge reduziert.
Bei der Kommissionierung ermöglicht XWMS verschiedene Modelle, darunter Single Order Picking, Single Order Zone Picking und Multi Order Zone Picking. Die Auslagerungsstrategie berücksichtigt u. a. eine FIFO-Reihenfolge, die Priorisierung von Zonen und die Entnahme zuerst vom Lagerplatz mit dem geringsten Bestand, was eine optimale Raumnutzung unterstützt. Zusätzlich ordnen systemseitige Kommissionierwege die Arbeit: Sie führen die Mitarbeiter je nach gewähltem Modus durch das Lager – etwa nur über die unteren oder oberen Regalebenen oder gemischt.
Verpackung und Versand wurden mit Prüfprozessen und externen Systemen verknüpft. Jeder Artikel wird vor dem Verpacken gescannt, was Fehler ausschließt. XWMS synchronisiert die Daten automatisch mit dem ERP, stößt die Erstellung der Verkaufsbelege an und unterstützt die Erstellung der Versandetiketten. Das System berücksichtigt auch zusätzliche Verpackungshinweise, und der Prozess wird mit der Bestätigung des verpackten Auftrags per Scan des Versandetiketts abgeschlossen.
Das System bildet zudem Sonderprozesse wie Depots, Umbuchungen auf andere Artikelnummern und verschiedene Inventurmodi ab. Ergänzt wird das Ganze durch Mechanismen für Fehlmengen und ein operatives Echtzeit-Reporting für die laufende Steuerung der Lagerfläche.
Integration mit enova365: eine Architektur auf Basis von Soneta-Erweiterungen
Ein zentrales Element des Projekts war die Integration von XWMS mit dem ERP-System enova365 – konzipiert als bidirektionaler, vollständig konsistenter Datenaustausch. Er umfasst den Abruf der Artikeldaten in XWMS ebenso wie die Synchronisation der Handelsbelege in beide Richtungen und sorgt so für laufend übereinstimmende Betriebsdaten im gesamten Umfeld.
Die zentrale Rolle in dieser Architektur spielt Soneta.Integrator als Kommunikationsschicht für einen stabilen, skalierbaren und kontrollierten Datenaustausch zwischen den Systemen. Über Soneta.WebAPI steuert der Integrator den Informationsfluss und dessen zuverlässige Verarbeitung – entscheidend in einem Umfeld mit hoher operativer Intensität.
Für Einführung und Weiterentwicklung von enova365 bei Interpneu war die Firma enova.expert verantwortlich, die auch an der Prozessgestaltung und der Vorbereitung des ERP auf die Integration mit XWMS beteiligt war. Auf ERP-Seite bildete die Erweiterung Soneta.WMS die Logik der Lagerprozesse ab und verknüpfte die in XWMS ausgeführten Vorgänge konsistent mit den Belegen und Strukturen von enova365. Ergänzt wurde die Architektur durch die eigens entwickelte Bibliothek enovaexpert.PneuXWMSHelper, die die Standardmechanismen um Funktionen für die besonderen operativen Anforderungen des Kunden erweitert. So entstand nicht nur volle Datenkonsistenz, sondern auch ein flexibles Integrationsumfeld, das mit dem Geschäft weiterwachsen kann.
„Bei solchen Projekten geht es nicht nur darum, Systeme zu verbinden, sondern vor allem darum, die Geschäftsprozesse richtig abzubilden und die Konsistenz der Betriebsdaten sicherzustellen. Bei Interpneu war es außerdem wichtig, das gesamte Umfeld flexibel zu halten und die Integration mit wachsendem Geschäftsumfang weiterentwickeln zu können. Mit Soneta.Integrator und eigenen Erweiterungen ist eine Lösung entstanden, die den tatsächlichen Anforderungen des Unternehmens entspricht.“ – sagt Łukasz Lech, Vorstandsvorsitzender von enova.expert.
In der Praxis bedeutet die Integration, dass das ERP Dispositionen (Einkaufs- und Verkaufsaufträge) an XWMS übergibt und das WMS deren Ausführung steuert und zurückmeldet.
Das Ergebnis sind automatisch erzeugte Lager- und Handelsbelege in enova365. Wichtig: Sobald die Bearbeitung eines Belegs in XWMS beginnt, wird er im ERP gesperrt – das verhindert parallele Änderungen und inkonsistente Daten. Die Integration wurde um weitere Elemente ergänzt, etwa die Übergabe von Anhängen im Base64-Format, die Übermittlung von Zahlungs- und Nachnahmeinformationen sowie Mechanismen zur erneuten Synchronisation.
Das Ergebnis: Effizienz und Bereitschaft für Wachstum
Die Einführung von XWMS bei Interpneu brachte messbare operative Ergebnisse. Einheitliche, vom System geführte Prozesse reduzierten Fehler und beschleunigten die Auftragsabwicklung. Dank der Integration mit enova365 verfügt das Unternehmen über ein einheitliches Arbeitsumfeld mit aktuellen Daten in Echtzeit. Gleichzeitig erlaubt die Architektur auf Basis von Soneta-Komponenten und Erweiterungen die Weiterentwicklung des Systems, ohne die Grundlagen umbauen zu müssen.
„Die größte Veränderung nach der Einführung war für uns die Planbarkeit und Ordnung der Lagerprozesse. Bei unserem Geschäftsumfang und den Besonderheiten der Reifenbranche war es entscheidend, Fehler zu reduzieren und den Informationsfluss zwischen Lager und ERP zu verbessern. Mit XWMS können wir die Abläufe besser kontrollieren, Abweichungen schneller erkennen und die Lagerarbeit in Echtzeit effizienter steuern. Ein großer Vorteil ist auch die einfachere Einarbeitung neuer Mitarbeiter – das System führt durch den Prozess, sodass die Abläufe unabhängig von der Erfahrung des Teams gleich bleiben. Aus Unternehmenssicht war zudem wichtig, dass die Integration mit enova365 für konsistente Daten und mehr Transparenz im gesamten Logistikprozess gesorgt hat.“ – sagt Mariusz Grzelak, Vorstandsvorsitzender von Interpneu Polska.
Technologie, die das Geschäft in großem Umfang unterstützt
Der Fall Interpneu zeigt, dass eine erfolgreiche WMS-Einführung nicht nur eine Frage der Systemfunktionen ist, sondern vor allem der Integration in das geschäftliche Umfeld.
In diesem Projekt wurde XWMS zum operativen Zentrum, und Komponenten wie Soneta.WMS und Soneta.Integrator ermöglichten ein stabiles, skalierbares und flexibles Umfeld, das die tägliche Logistik wirklich unterstützt.
Krzysztof Wieczorek fasst zusammen:
„Die Einführung verlief praktisch wie im Lehrbuch – von der Analyse vor der Einführung und den Prozesslandkarten über die Einrichtung der Software bis zu Tests und Go-live. Mit dem angebotenen Integrator ließen sich ERP und WMS reibungslos verbinden und betriebsrelevante Informationen in Echtzeit austauschen. ERP, WMS und Integrationswerkzeug haben sich so gut bewährt, dass schon wenige Tage nach dem Go-live von der Stabilisierungsphase die Rede sein konnte. Gleichzeitig ermöglichte die fachkundige Unterstützung des enova365-Partners und des WMS-Anbieters blitzschnelle Hotfixes für Mängel, die durch das Testraster gerutscht waren, sowie die zügige Umsetzung nützlicher Funktionen, die wir in der Analyse nicht vorhergesehen hatten. Die WMS-Einführung bei Interpneu und die Integration mit enova365 gehören zu den besten Einführungen, die ich in meiner Laufbahn erlebt habe. Dazu trugen nicht nur ausgereifte IT-Lösungen bei, sondern auch das Engagement aller Beteiligten.“


